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Gerichtsverfassung und Zivilverfahren

Anwalt erhält zweite Chance
beA streikt, Fax misslingt

Anwalt erhält zweite Chance

Das beA streikt, die Frist läuft ab. Ein Anwalt weicht auf ein für ihn ungewohntes Computerfax aus – und scheitert an den Formalien. Das OLG verwirft die Berufung. Der BGH fragt: Musste der Anwalt diesen Ersatzweg überhaupt beherrschen?

"Sonst funktioniert es" ist keine Entschuldigung
Einwahlproblem bei Videoverhandlung

"Sonst funktioniert es" ist keine Entschuldigung

Ein Anwalt scheitert bei zwei Terminen an der Einwahl in eine Videoverhandlung. Der BGH verlangt zwar keine IT-Kenntnisse – aber nach einem ersten Fehlschlag muss ein Anwalt sich um die Ursache kümmern. Sonst kann es mit dem Prozess vorbei sein.

Wiedereinsetzung ohne Hand und Fuß
Sich selbst vertretender Anwalt

Wiedereinsetzung ohne Hand und Fuß

Eine verletzte Hand genügte dem OLG München noch nicht, um eine versäumte Berufungsbegründung zu entschuldigen. Ein sich selbst vertretender Anwalt könne immerhin diktieren – oder eine Vertretung organisieren.

Transparenz statt richterlicher Black Box
Standpunkt

Transparenz statt richterlicher Black Box

In der Literatur herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass Künstliche Intelligenz (KI) den menschlichen Richter zwar unterstützen, nicht aber ersetzen darf. Ein Vorlagebeschluss des VGH Kassel gibt Anlass zu einer Konkretisierung dieser Formel.

KI-Transkript als Wahrheit?
Recht digital

KI-Transkript als Wahrheit?

KI-basierte Speech-to-Text-Anwendungen könnten für die Transkription von Gerichtsterminen eingesetzt werden. Welche Rechtsfragen stellen sich aber, wenn das Transkript künftig nicht nur beim Wiederfinden von Aussagen hilft, sondern die Rekonstruktion des Verfahrensstoffs selbst mitbestimmt?

beA tot? Die Frist lebt trotzdem
Ersatzeinreichung

beA tot? Die Frist lebt trotzdem

23.15 Uhr, das beA bricht zusammen – und der Anwalt glaubt, jetzt reiche auch der Postversand. Doch das OVG Hamburg sieht das anders: Wer so spät übermittelt, müsse sich "aufdrängende" Möglichkeiten der Ersatzeinreichung nutzen.

Uwe Steimle will Aussage zu Stauffenberg nicht wiederholen
Unterlassungserklärung abgegeben

Uwe Steimle will Aussage zu Stauffenberg nicht wiederholen

Der Kabarettist Uwe Steimle hat mit scharfen Sprüchen bei einer AfD-Veranstaltung provoziert – und dabei auch den Hitler-Attentäter Stauffenberg erwähnt. Jetzt gibt es eine Unterlassungserklärung.

Neue Wege in der Richterausbildung
Interview

Neue Wege in der Richterausbildung

Im vergangenen November hat das OLG Koblenz ein besonderes Projekt gestartet: Seitdem unterstützen eine Richterin und ein Richter aus dem OLG-Bezirk als richterliche Mitarbeiterin bzw. richterlicher Mitarbeiter erstmals die Verwaltung des Gerichts.

Kompliziert genug für die Wirtschaftsstrafkammer?
„Business-E-Mail-Compromise-Fraud“

Kompliziert genug für die Wirtschaftsstrafkammer?

Das Verfahren um einen sogenannten BEC-Betrug war zwar aufwändig, für die Wirtschaftsstrafkammer des LG Mannheim aber nicht komplex genug, um sich mit der Berufung zu befassen. Nun soll die allgemeine Strafkammer des LG Mannheim entscheiden.

Konzernmandat bringt keine RVG-Gebühren
Syndikusanwalt

Konzernmandat bringt keine RVG-Gebühren

Ein Syndikusanwalt vertrat ein Schwesterunternehmen desselben Konzerns und verlangte RVG-Gebühren. Für die Rechtspflegerin klang das nach einem externen Mandat. Das BPatG sah das anders, die interne Kostenverteilung ändere nichts an seiner Stellung.

Pfändungspfandrecht übersteht Prozessvergleich
Vergleich in zweiter Instanz

Pfändungspfandrecht übersteht Prozessvergleich

Ein Prozessvergleich beendet zwar den Rechtsstreit – aber nicht zwangsläufig eine bereits erlangte Sicherheit. Fehlt eine gegenteilige Vereinbarung, bleibt ein bereits erlangtes Pfändungspfandrecht dem BGH zufolge regelmäßig bestehen.

Bei § 522 ZPO entscheidet Datum des Beschlusses über Wertgrenze
Nichtzulassungsbeschwerde

Bei § 522 ZPO entscheidet Datum des Beschlusses über Wertgrenze

Ein Kläger setzte auf das alte Recht – und damit auf niedrigere Hürden für seine Nichtzulassungsbeschwerde. Doch der BGH macht klar: Wird eine Berufung per § 522 ZPO zurückgewiesen, zählt nicht das Ende der Stellungnahmefrist, sondern der Beschluss.

Verbraucher dürfen nicht zwischen Ende und Erhalt des Vertrags wählen
Unwirksame AGB-Klauseln

Verbraucher dürfen nicht zwischen Ende und Erhalt des Vertrags wählen

Verbraucher können nicht selbst über die Rechtsfolgen unwirksamer AGB-Klauseln entscheiden. Selbst wenn das Europarecht ihnen ein Wahlrecht gäbe, kann es laut dem BGH nicht durch Rechtsfortbildung in das deutsche AGB-Recht hineingelesen werden.

Urheberstreit bleibt beim Amtsgericht
Zuständigkeitsreform

Urheberstreit bleibt beim Amtsgericht

Ein Amtsgericht las eine reformierte Zuständigkeitsnorm wörtlich – und verwies einen Urheberrechtsstreit ans Landgericht. Das OLG Frankfurt a. M. hält dagegen: Ein neuer Gesetzeswortlaut ersetze keine saubere Gesetzesauslegung.

Gehalt der Ehefrau hat keinen Einfluss auf Freibetrag
Unterhaltspfändung

Gehalt der Ehefrau hat keinen Einfluss auf Freibetrag

Anders als im Sozialrecht müssen Ehegatten im Zwangsvollstreckungsrecht nicht finanziell füreinander einstehen. Das entschied der BGH für Unterhaltspfändungen. Die Pfändungsfreigrenze eines Mannes bleibe vom Gehalt seiner neuen Ehefrau unberührt.

Nicht befangen, wenn die Streitgegenstände unterschiedlich sind
Richter im Verbandsklageregister

Nicht befangen, wenn die Streitgegenstände unterschiedlich sind

Ein Richter meldet sich selbst zum Verbandsklageregister einer Abhilfeklage gegen ein Unternehmen an – und soll kurz darauf über ein anderes Verfahren desselben Unternehmens entscheiden. Ist er deshalb befangen? Das VG Köln zieht eine klare Grenze.

Langes Verfahren kann Zinsschaden auslösen
Wenn es bei Gericht dauert

Langes Verfahren kann Zinsschaden auslösen

Weil sich ihr Berufungsverfahren jahrelang hinzog, musste eine Baustofflieferantin immer weiter Verzugszinsen zahlen. Ob der Staat einen solchen Schaden ersetzen muss, war unklar. Der BGH sagt jetzt grundsätzlich ja.

Bieter müssen gesamte Vertretungskette nachweisen
Zwangsversteigerung

Bieter müssen gesamte Vertretungskette nachweisen

Eintragungen auf handelsregister.de sind für die Rechtspflege nicht immer "offenkundig", dem BGH kommt es auf das Verfahren an. Zu Zwangsversteigerungen müssten Bieter etwa alle Nachweise für ihre Vollmacht mitbringen – auch für die Vertretungsmacht ihrer Geschäftsführer.

Post bessert Verfahren nach
Einwurf-Einschreiben nach dem BAG-Urteil

Post bessert Verfahren nach

Das Einwurf-Einschreiben taugt laut BAG nicht mehr als Anscheinsbeweis für die Zustellung. Doch die NJW hat aufgedeckt: Noch bevor die Urteilsgründe veröffentlicht wurden, hat die Deutsche Post ihr Verfahren angepasst. Man sieht sich nun besser aufgestellt als je zuvor.

Referendare können viel, signieren aber nicht
Wiedereinsetzung

Referendare können viel, signieren aber nicht

Für eine Wiedereinsetzung trug ein Rechtsanwalt vor, dass sein stets zuverlässiger Rechtsreferendar erstmalig eine Berufungsbegründung nicht versandt hatte. Doch dem OLG München kam es darauf nicht an – es wollte wissen, ob der Schriftsatz elektronisch signiert war.

Mitgegangen, mitbefangen
Kollegialgerichte

Mitgegangen, mitbefangen

Eine Kammer für Handelssachen sollte über einen Bauvertrag entscheiden, den eines seiner Mitglieder als Ex-Geschäftsführer selbst zu verantworten hatte. Das OLG Brandenburg bejaht die Befangenheit – und zwar des gesamten Kollegialgerichts.

Aktenschluss statt Last-Minute-Vortrag
Editorial

Aktenschluss statt Last-Minute-Vortrag

Prozessverzögerung durch neues Vorbringen: Die großzügige Zulassung in Deutschland mache den Verhandlungstermin zur Durchgangsstation und Fristen zu zahnlosen Tigern, meint Philipp Massari. Die Schweiz zeige, wie man es besser machen könne.

Titel braucht qeS-Beglaubigung
Zustellung Anwalt zu Anwalt

Titel braucht qeS-Beglaubigung

Ein Arbeitszeugnis war tituliert, die Arbeitgeberin lieferte nicht. Doch im Zwangsvollstreckungsverfahren traf es am Ende die Arbeitnehmerin: Sie blieb auf den Verfahrenskosten sitzen. Das LAG Hamm machte den entscheidenden Fehler im beA-Verkehr aus.

Generalstaatsanwälte fordern mehr Unabhängigkeit
Externes Weisungsrecht

Generalstaatsanwälte fordern mehr Unabhängigkeit

Die Stärkung des Rechtsstaats steht derzeit im Mittelpunkt vieler Debatten. Dabei darf ein zentrales Organ nicht vergessen werden: die Staatsanwaltschaft. Diese appelliert nun erneut für mehr Unabhängigkeit von der Exekutive.

Warum der Verhandlungsanwalt an Bedeutung gewinnt
Frankreichs Zivilprozess im Wandel

Warum der Verhandlungsanwalt an Bedeutung gewinnt

In Frankreich findet gerade eine radikale Abkehr vom Zivilprozess statt, wie man ihn bisher kannte: Seit September 2025 ist die gütliche Einigung kein Bonus mehr, sondern erstes Ziel des Verfahrens. Florence Lorentz erklärt, wie das funktioniert.