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Verdacht auf sexuelle Übergriffe am IStGH

Weltstrafgericht suspendiert Chefankläger Karim Khan

Damaliger IStGH-Chefankläger Karim Ahmad Khan läuft durch ein Glasgebäude
IStGH-Chefankläger Karim Ahmad Khan im Jahr 2023 picture alliance/dpa | Christophe Gateau

Chefankläger Khan wird der sexuellen Übergriffe gegen eine Mitarbeiterin beschuldigt. Die UN untersuchten die Vorwürfe. Jetzt droht ihm die Amtsenthebung.

Der Chefankläger des IStGH, Karim Khan, ist wegen des Verdachts auf sexuelle Übergriffe mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst suspendiert worden. Eine endgültige Entscheidung über eine mögliche Amtsenthebung sollen die Vertragsstaaten auf einer Sondersitzung treffen. Das teilte das Präsidium der Vertragsstaaten des Gerichts in Den Haag mit. Die Sondersitzung soll so schnell wie möglich stattfinden.

2024 hatte eine enge Mitarbeiterin dem britischen Juristen sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Er soll sie mehrfach und über einen längeren Zeitraum hinweg bedrängt und zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Eine Kommission der Vereinten Nationen hatte die Vorwürfe untersucht. Diese hatte im Dezember 2025 ihren Bericht vorgelegt. Dieser wurde bisher nicht veröffentlicht. Drei Richter des Weltstrafgerichts hatten auf der Grundlage der Untersuchung ein Rechtsgutachten vorgelegt, das bislang ebenfalls nicht veröffentlicht wurde.

Khan (56) lässt sein Amt seit gut einem Jahr vorläufig ruhen und wollte zurückkommen, wenn die Vorwürfe geklärt sind. Er bestreitet alle Vorwürfe. 

Kritik aus den USA und Israel 

Khan war seit 2021 Chefankläger und hatte unter anderem einen Haftbefehl gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin beantragt. Vor allem wegen des Haftbefehls gegen Netanjahu verstärkten die USA ihren Druck auf das Gericht und verhängten Sanktionen gegen Mitarbeitende und richterliches Personal. 

Nach der Suspendierung des Chefanklägers nutzt nun Israel die Gelegenheit für Kritik am IStGH und seinen Bewertungen des Gaza-Kriegs. Israels UN-Botschafter, Danny Danon, forderte eine Aufhebung des Haftbefehls gegen Netanjahu. Die Suspendierung Khans beweise, dass der IStGH bis ins Mark verdorben sei. Es sei nun an der Zeit, die ungeheuerlichen Haftbefehle gegen Ministerpräsident Netanjahu aufzuheben.

125 Staaten haben den Grundlagenvertrag des Strafgerichtshofes unterzeichnet, darunter alle EU-Staaten. Die USA, Russland und Israel gehören dem Gericht nicht an.